Knackende Musik wie aus einem alten Radio begleitet die erste Einstellung von IN WATER. Drei Personen, die man nur von hinten sieht, verbringen Zeit am Meer. Das Bild ist leicht unscharf, zusammen mit der Musik erweckt das den Eindruck, alte Urlaubsvideos zu sehen. Auch wenn die Protagonisten nicht zum Urlaub auf die Insel gekommen sind, so befinden sie sich doch an einem ihnen noch unbekannten Ort den sie erkunden. Sie sind auf der Suche nach geeigneten Drehorten für Seoung-mos (Shin Seok-ho) Kurzfilm, wofür er seine ehemaligen Kommiliton:innen Sang-guk (Ha Seong-guk) als Kameramann und Nam-hee (Kim Seung-yun) gebeten hat, mitzukommen.

Jeden Tag streifen sie durch den Ort und am Strand entlang, um ein Motiv für den Film zu finden. Mehrfach verwirft Seoung-mo seine Ideen und verschiebt den Drehbeginn um noch einen Tag. Dabei betont er nebenbei immer wieder, dass er nur ein kleines Budget hat, weswegen er den anderen beiden kein besseres Essen kaufen könne. Sang-guk scheint ungeduldig zu werden, während Nam-hee geduldig und gespannt auf die kommende Zusammenarbeit blickt.
Oft zeigt die Kamera die drei von hinten schlendernd oder stehend in einer Straße oder einer Kulisse mit dem Meer im Hintergrund. Die Außenaufnahmen und einige der Innenansichten sind unscharf, aber nicht so, als sei es ein technischer Defekt. Vielmehr entsteht der Eindruck von impressionistischen Gemälden mit sonnenüberfluteten Motiven, wodurch das Beige des Strandes, das Blau des Meeres und das Grün von Gras und Bäumen noch verstärkt werden. Nur die Sanften Bewegungen der Meereswellen, des Windes, der durch einen Baum bläst, oder die sich bewegenden Figuren bringen den Film wieder ins Bewusstsein. Details wie Gesichtszüge oder einzelne Grashalme sind nicht mehr wichtig, die Atmosphäre rückt in den Vordergrund. Ob sich dahinter ein ästhetisches Experiment verbirgt oder gar die Auseinandersetzung mit durch Alter bedingter Sehkraft, bleibt unklar. Der Film wirkt ruhig, vielleicht auch suchend oder nachdenklich.

Wie in früheren Filmen von Hong Sang-soo lernen sich die Figuren während der gemeinsamen Mahlzeiten, beim Trinken und Rauchen besser kennen. Sie stellen einander Fragen zu den Beweggründen, mit auf die Insel gekommen zu sein. Auf die Frage, warum Seoung-mo nun selbst einen Film drehen möchte, statt wie bisher zu schauspielern, antwortet er, dass Geld unwichtig sei, vielmehr wolle er etwas schaffen, für das er Anerkennung erhalte. Vielleicht fällt es ihm daher so schwer, sich für ein geeignetes Motiv für seinen Film zu entscheiden.

Als er bei einem Strandbesuch eine Frau entdeckt, die an der Steilküste Müll sammelt, hat er offenbar gefunden, wonach er gesucht hat. Er spricht sie an, um die Beweggründe für ihre Arbeit zu erfahren. Beeindruckt von Ihrem Engagement, hat er seine Geschichte gefunden und stellt diese Szene am Tag drauf mit den anderen beiden nach. Begleitet wird sein Film durch ein Lied, das Kim Min-hee, Hon Sang-soos Lebensgefährtin singt. Wieder tönt es wie eine alte Radioaufnahme und eine Erinnerung wird wachgerufen. Auch wenn sich vieles Wohlvertraute und Geliebte der letzten Filme Hong Sangsoos wiederfindet – Personen, die am Meer spazieren, zusammen essen und trinken und miteinander sprechen –, so ist IN WATER durch diese Unschärfe sehr angenehm überraschend anders und schön.
